Behindern Suchmaschinen zunehmend das Wachstum?
Tags: ARD, Bewertung, Deutschland, Durchschnitt, EU, Google, Internet, Kontrolle, Macht, moral, rauch, Suchmaschine, Suchmaschinen, Welt, Wikipedia, wollen, zukunft
Der Inhalt des Internet besteht aus vielen Milliarden Dokumenten. Um sie zu finden benötigt jeder Benutzer des Internets Suchmaschinen.
Laut ripe.net gibt es weltweit ca. 21 Mio. Hosts (auch als Server zu bezeichnen) auf denen 78 unterschiedliche Top-Level-Domain-Typen (z.B. “.de”, “.com”) laufen. Stand 01/2007.
Laut isc.org gibt es 433 Mio. Domains (z.B. www.hense.com) die auf diesen Hosts laufen. Bei durchschnittlich 100 Dokumenten pro Domain ergibt das ca. 44 Milliarden Dokumente (Webseiten).
Diese Zahlen liegen, meiner Meinung nach, noch weit unter den tatsächlichen Werten. Ausserdem nimmt die Anzahl mit progressiv steigender Kurve zu, wogegen die Scanngeschwindigkeit der Suchmaschinen aufgrund der Komplexität abnimmt.
Der Suchmaschinenmarkt teilt sich grob in drei Marktführer auf. Wobei das Monopol von Google Inc. nicht zu übersehen ist. Die Schätzungen liegen irgendwo bei 80 % Suchabfragen über Google, 10 % Yahoo, 5 % MSN und 5 % über alle restlichen Suchmaschinen.
Google gab im Juni 2005 an, ca. 8 Milliarden Dokumente (Quelle: wikipedia.de) im Internet gescannt und in ihren Index aufgenommen zu haben. Danach stellte Google die Veröffentlichung von Zahlen gescannter Dokumente ein. Geschätzt müsste der Index jetzt ca. 10 Milliarden Dokumente enthalten. Wobei die Anzahl veralteter Dokumente, im Index, logischerweise stark zugenommen haben dürfte, da Google mit dem Scannen von immer mehr neuen Dokumenten stärker beschäftigt sein dürfte. Die Scanngeschwindigkeit hat sich aufgrund diverser Parameter eindeutig ebenfalls verlangsamt.
Aufgrund dieser Zahlen kann man sicherlich behaupten, dass zur Zeit höchstens 25 % aller Dokumente, die auf Webservern liegen, von Suchmaschinen erfasst sind und, dass von diesen mindestens 5 % veraltet sind.
Vom suchenden Anwender aus gesehen, sucht er bei Google also nur in 20 % aller tatsächlich aktuellen Dokumente im Internet weltweit. Das ist das absolute Maximum. Wenn er bei Yahoo sucht, sind es bedeutend weniger.
Ein weiteres schweres Problem erzeugen Suchmaschinenoptimierer bzw. das Suchmaschinenmarketing. Anwender, die im Internet suchen, sind meist mit den Ergebnisse auf den ersten Seiten der Ergebnisliste zufrieden. Nicht so bei einer professionellen Recherche, die einen möglichst grossen Umfang des Basismaterials verwenden möchte.
Nicht nur das die Auswahl der durchsuchten Dokumente, im Vergleich zur tatsächlich vorhandenen Zahl, recht klein ist, wird die Anzeige der gefundenen Treffer abhängig von einer Bewertung sortiert, die dem Anwender weitestgehend verborgen bleibt. Zusätzlich beeinflussen weitere Parameter die Anzeige. Das Land in dem die Suche gestartet wurde, das Land in dem die gefundenen Dokumente gespeichert sind, welche Top-Level-Domain-Endung die Domain hat (.de,.com etc.), die eingestellte Sprache bei der Suche, die Sprache der Dokumente der Webseite und so weiter und so fort. In vielen Ländern wird zudem noch politischer Druck auf die Suchmaschinen ausgeübt, bestimmte Ergebnisse nicht anzuzeigen. Von objektiver Darstellung, der tatsächlich auf unserer Erde angebotenen Information im Internet, ist das alles weit, weit entfernt.
Diesen Umstand machen sich nun viele kleine aber auch zunehmend grössere Suchmaschinenoptimierungs - und Suchmaschinenmarketing - Firmen zu nutze und versprechen ihren Klienten, sie auf eine hohe Position der Suchergebnisse zu befördern, also die subjektive Darstellung einer Suchmaschine zu Gunsten der Klienten zu beeinflussen. Sie versprechen, ja manche garantieren sogar eine bestimmte Anzahl an qualifizierten Besuchern über diese Ergebnisse.
Nun, hier beginnt eine verhängnisvolle Verschmelzung von Aussagen, Ethik, Thesen und Moral.
Suchmaschinenbetreiber sind bemüht ihren Benutzern darzustellen, dass ihre Arbeit neutral und ihre Ergebnisse so objektiv wie möglich sind. Eine Suchmaschine, die dieser Ethik nicht folgen würde, würde das Vertrauen seiner Benutzer sehr schnell missbrauchen und diese würden das System meiden. Der Untergang des Unternehmens bzw. der Suchmaschine wäre sicher.
Die Verfahrensweisen der Suchmaschinen in dieser Hinsicht sind sehr unterschiedlich. Eines der grössten Katalogverzeichnisse, das dmoz.org, das nur Webseiten (Domains) aufnimmt, die von aussen vorgeschlagen werden, hat private Redakteure, die auf freiwilliger Basis, kostenlos die Einträge bewerten, ablehnen oder aufnehmen. Die Macht dieser Redakteure ist in vielfacher Weise recht gross. Die Kategorien und hierarchischen Positionen in dem System des dmoz.org garantieren eine hohe oder weniger hohe Aufmerksamkeit durch Google, dem Marktführer, und anderen Suchmaschinen. D.h. wenn eine Webseite in eine wichtige Kategorie, weit oben in der Hierarchie bei dmoz.org eingepflegt wird, wird sie auch von Google als wichtig eingestuft und erscheint somit bei Suchergebnissen weiter oben als andere Ergebnisse.
Alle Redakteure von dmoz.org verpflichten sich natürlich die Vorschläge objektiv und unabhängig zu beurteilen und aufzunehmen. Um Redakteur zu werden müssen die in der Hierarchie weiter oben angesiedelten Redakteure zustimmen. Wenn auch nur ein Redakteur, auch aus anderen Ressorts oder Ländern, etwas gegen eine Anmeldung eines neuen Redakteurs hat, kann er es den entscheidenden Redakteuren mitteilen. Meist wird dann die Anmeldung abgelehnt. Man könnte also sagen, die Redakteure in diesem System sind eine grosse Familie, die nicht so einfach weitere Mitglieder aufnehmen. Genau so wird mit der Aufnahme von Domains verfahren. Alleine das führt schon zu einer subjektiven Bewertung.
Zunehmend ist aber bekannt geworden, das viele Redakteure des dmoz.org in einem Interessenkonflikt leben. Zum Beispiel, wenn sie hauptberuflich Suchmaschinenoptimierer sind. Da liegt der Verdacht natürlich nahe, dass sie für ihre Kunden einen guten Platz im dmoz.org vergeben und der Konkurrenz nicht. Aus meiner Sicht, liegt hierbei die Beweislast eindeutig bei der dmoz.org, sicherzustellen oder aufzuzeigen, dass ihre Redakteure keine Interessenkonflikte haben. Ansonsten kann die Ethik, die sie behaupten zu besitzen, nicht anerkannt werden. Das sollte dann aber auch Google tun.
Im Bereich der Suchmaschinenoptimierer gibt es viele die eine Bandbreite von unethischen bis korrupten Möglichkeiten nutzen Suchmaschinen zu manipulieren. Und auch hier gilt natürlich das kapitalistische System. Der, der viel Geld in das System investiert, bekommt auch viel davon zurück. Unternehmen, Organisationen, Bürger die sich das nicht leisten können, können von dem System auch nichts erwarten.
Suchmaschinen versuchen zwar die Manipulation zu verhindern, um ihren neutralen Status kommunizieren zu können, tragen aber auf der anderen Seite selber zu dem Wettrennen zwischen Suchmaschinenoptimierer und Suchmaschinen bei. Alleine schon deshalb, weil, z.B. Google, Anzeigen auf den Ergebnisseiten schaltet die pro „Klick“ bezahlt werden und in Abhängigkeit von den Ergebnissen gezeigt werden. Würde Google die Ergebnisse nicht so anzeigen, wie sie es anzeigen, wären die eigenen Einnahmen wahrscheinlich geringer.
Eine Ergebnisseite bei Google und Co. hat ca. 10 - 20 Ergebnisse auf der ersten Seite. Unternehmen, Organisationen etc. die über einen Suchbegriff gefunden werden wollen, gibt es aber immer hunderte oder tausende. Wie sollte da auch eine objektive Darstellung möglich sein? Das System verführt dazu einen Wettlauf um die ersten Plätze zu laufen.
Mich wundert hier, dass Gewerkschaften, Sozialisten und andere sozial denkenden Gruppierungen nicht schon längst auf die Barrikaden gegangen sind. Mit Recht. Denn es wird ganz strikt derjenige der am meisten zahlt belohnt. Und nicht nur das. Haben sie in Deutschland schon mal ein süd-afrikanisches Unternehmen in den Trefferlisten gesehen? Auch wenn die Webseite auf Deutsch war?
Sicher, das Internet mit seinen Suchmaschinen hat zu einer unheimlich grossen Transparenz auf der Welt beigetragen, nur wenn dann die Akteure selber dafür sorgen wieder subjektiv zu werden, ist es keine Bereicherung für die Menschheit.
Es gibt mehrere Wege, die man einschlagen kann um das System etwas weniger abhängig von Geld zu machen und mehr der Qualität der Ergebnisse Rechnung zu tragen.
Die User müssen erkennen, dass nicht der erste Eintrag auf einer Ergebnisliste auch der Beste ist und dass die Qualität der Suchresultate mit ausgiebiger Recherche zunimmt. Es wäre eine Marketingaufgabe dieses zu kommunizieren, die sicherlich Suchmaschinen durchführen müssten.
Der Wettbewerb zwischen den Suchmaschinen muss unbedingt forciert werden, es müssen neue Unternehmen aufgebaut werden, damit mehr Konkurrenz und damit neue Ideen und Lösungen entstehen.
Suchmaschinen müssen einen weltweit einheitlichen Codex erstellen, der die Objektivität und Unbestechlichkeit ihrer Ergebnisse so gut wie eben sicherstellt und in der deren Verbesserung festgeschrieben wird. Der Aufbau und die Durchführung einer freiwilligen Selbstkontrolle könnte das ganze kontrollieren.
Suchmaschinen könnten auch durch die Wahl der Suchmaske und ihren Such - Möglichkeiten (Assistenz) sowie anderer Darstellung der Ergebnisse (z.B. mehre Spalten) zu mehr Transparenz beitragen und die Ergebnisse ein wenig objektiver darstellen und den User selber entscheiden lassen welche gefundenen, subjektiven Ergebnispfade er weiter verfolgen will. Webseiten mit massiven Manipulationsversuchen (Keywörter die nichts mit dem Inhalt zu tun haben) müssten stärker bestraft bzw. aus dem Index genommen werden.
Um den Unterschied zwischen aufgenommenen, gescannten Dokumenten und den tatsächlich vorhandenen im Internet zu verringern, könnten von staatlicher Seite mit den führenden Suchmaschinen auf nationaler Ebene Projekte zur Aufnahme von mehr Dokumenten durchgeführt werden.
Jetzt wo wir die Chance haben etwas zu verändern, den Kleinen auch etwas zu bieten, wo das ganze System noch am Anfang steht, da sollte man die Chance nicht verpassen etwas Vernünftiges aufzubauen. Das System und die damit verbundenen Probleme werden in Zukunft eher grösser als kleiner. Die Umsätze die über das Internet gemacht werden nehmen exponentiell zu. Wenn wir nicht wollen, dass das Wachstum gebremst wird müssen wir uns diesen Problemen stellen.
Trackbacks
Ähnliche Artikel



Oktober 18th, 2007 13:13
Ein ganz grosses Kompliment für diesen Artikel, der sowohl die fragwürdige Relevanz aktueller Suchergebnisse als auch die weniger bekannte Tatsache eriner derzeit faktisch unkontrollierbaren finanziellen und politischen Macht der Suchmaschinenbetreiber präzise beleuchtet. Hut ab!
Oktober 18th, 2007 19:12
Behindern Suchmaschinen zunehmend das Wachstum?…
Der Inhalt des Internet besteht aus vielen Milliarden Dokumenten. Um sie zu finden benötigt jeder Benutzer des Internets Suchmaschinen.
Laut ripe.net gibt es weltweit ca. 21 Mio. Hosts (auch als Server zu bezeichnen) auf denen 78 unterschiedliche Top-…
Oktober 18th, 2007 19:48
Genau dieses Vorgehen würde, meiner Meinung nach, eben nicht zu einem ausgeglichenen Index führen. Jede staatliche Stelle würde ihre eigenen Befindlichkeiten und Animositäten in den Index einfliessen lassen und am Ende hätten wir vermutlich weniger Seiten als jetzt im Index.
Um eine ernsthafte Konkurrenz zu Google aufzubauen, müssten Einflüsse staatlicher, oder staatsnaher, Institutionen soweit wie möglich vermieden werden. Da während der Aufbauphase der Index von Google immer besser bestückt sein wird, kann als Alleinstellungsmerkmal nur die Unabhängigkeit in die Waagschale geworfen werden.
Allerdings fürchte ich, dass der Vorsprung von Google, egal ob in Bezug auf den vorhandenen index als auch auf die Infrastruktur, mittlerweile nicht mehr eingeholt werden kann; ich kann mich allerdings auch täuschen. ;)
Oktober 18th, 2007 22:36
Mit “staatlicher Seite” und deren “Projekten” könnte ich mir z.B. Normen vorstellen. Das meinte ich z.B. damit, also keine Kontrolle oder etwas in diese Richtung. In vielen Branchen gibt es die ISO - Zertifizierung.
Die existierenden Normen für andere Dinge, werden auch von den Unternehmen gemeinsam erarbeitet und dann z.B. DIN oder ISO - Organisationen zur Festlegung übergeben. Warum sollte man nicht Meta-Tags, Text-Bereiche, Titel etc. die relevant für Crawler sind, in einer Norm festhalten. Oder eine Formel für die Bestimmung einer Relevanz für ein Keyword festlegen. Suchmaschinen können bei der Norm mitmachen und sie einhalten und damit werben, oder eben auch nicht. Es müsste nur einmal angestossen werden. Der Druck dazu könnte von den Usern oder sogar den Suchmaschinenoptimierern kommen.
Oktober 19th, 2007 08:19
Und wie möchtest Du verhindern, dass die “Normen” Einschränkungen bezüglich des Inhalts, Jugendschutzbestimmungen, etc. enthalten? Ich verstehe sehr gut was Du meinst, ich bin auch nicht gegen Jugendschutz an sich – allerdings bin ich gegen “Erwachsenengängelung” unter dem Deckmantel des Jugendschutzes, erlebe ich jeden Tag mit meinem Premiere-Receiver. Jede Einschränkung verhindert die Erstellung eines vernünftigen Indexes.
Nochmal, ich verstehe sehr gut was Du meinst, bzw. auf was Du hinauswillst, aber ich fürchte, wir sprechen hier über die “Quadratur des Kreises”.
Welche Meta-Tags, Bereiche, usw. ein Crawler als relevant erachtet, ist Bestandteil der “Intelligenz” des Crawlers, also ein Alleinstellungsmerkmal der Suchmaschine. Wenn diese Relevanz in einer Norm festgeschrieben würde, dann wäre den “Black-Hat”-SEOs Tür und Tor geöffnet das Ganze zu “gamen”; nicht wirklich im Sinne der Suchenden, oder? Ausserdem erlaubt ein gewisser “Wildwuchs” ein höheres Maß an Kreativität, also das Finden von neuen Lösungsansätzen, je stärker etwas genormt ist, desto weniger “Platz” hat man für neue Ideen.
Oktober 19th, 2007 08:59
Mir ist klar, dass das nicht einfach ist. Und die Arbeit, was wo und wie dort aufgenommen werden müsste, sollte in den Gremien der beteiligten Unternehmen passieren, so wie das bei vielen anderen Dingen auch gemacht wird. Die Verwendung von Normen ist ja immer freiwillig. Wenn 80 Prozent aller suchmaschinen-relevanter Parameter per Norm geregelt wären, dann blieben immer noch 20 Prozent Spielraum für Suchmaschinen ihr Alleinstellungsmerkmal aus zu spielen. In der Automobilindustrie hat man sich auch lange gegen Normen gewehrt, bis man erkannt hat, dass man eine enorme Stückkostendegression erreichen kann, wenn alle möglichen Bauteile gleich hergestellt werden. Ausserdem ist eine mathematische Definition über die Relevanz einer einzelnen Webseite keine wahnsinnige Wissenschaft. Das wird immer nur behauptet. Der Vorteil des Ganzen wäre, dass die Markteintrittsbarierre für neue Suchmaschinenbetreiber nicht so hoch wäre und sich damit eine grössere Konkurrenz etablieren könnte. Für alle ein Vorteil. Übrigens für SEOs und SEMs-Firmen bliebe immer noch genügend Arbeit auf seriösem Gebiet übrig.