Russland erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Der Standard.at schreibt - Putin kündigt Bau neuer Atomwaffen an. Russlands Präsident rät rohstoffreichen Ländern zur Aufrüstung: “Gott sei Dank ist Russland nicht der Irak” -.
Putin war im Irak und hat die Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres getroffen. Weitgehende Übereinstimmung fand dort statt, dass diese Länder zusammenhalten und sich nicht gegenseitig angreifen wollen, aber es gab keine Einigung über die Ausbeutung der Energievorkommen unter dem Kaspischen Meer. Putin trifft die Amerikanische Aussenministerin Rice und erteilt ihr eine Absage wegen dem US-Raketenschild in Polen. Moskau kündigt den KSE-Vertrag zum 12. Dezember. Dieser Vertrag zur Rüstungskontrolle, legt die Obergrenzen für Panzer und Artillerie fest. Putin droht mit weiteren Kündigungen von Rüstungsverträgen. Zum Beispiel den, der die Langstreckenwaffen einschränkt. Bush droht mit drittem Weltkrieg. Bush erleidet eine dramatische Niederlage, Indien sagt die nukleare Kooperation mit den USA ab. Das ist eine empfindliche Niederlage der USA. Putin kündigt den massiven Ausbau von Atomwaffen und Langstreckenraketen an. Die Lage spitzt sich zu.

Was passiert da gerade? Ist die Gefahr für einen dritten Weltkrieg gross?

Aus meiner Sicht bilden sich zur Zeit zwei grosse strategische Blöcke.

1.Russland mit China, Indien, Pakistan, Iran, Afghanistan, Länder des Nahen-Ostens, russlandnahe Länder, Turkmenistan und Usbekistan sowie einige Ländern in Afrika, Asien und Süd-Amerika.
2.USA, Israel mit England und den alten Commonwealth Mitgliedern, also Kanada, Australien, Neuseeland mit dem gewünschten & zwangsweise Partner “EU” inkl. Deutschland natürlich.

Aus historischer Sicht hat Deutschland immer noch eine “eingebildete Schuld” gegenüber USA, Israel und einigen anderen und wird auch von diesen nicht losgelassen. Deshalb kann eine konservative Regierung sich nur auf diese eine Seite stellen. Die USA haben es verstanden diese Schuld in wahre Taten umzumünzen und Deutschland zum Handeln gezwungen (Irak, Sudan, Afghanistan). Der Einzige der einen Strich durch diese Rechnung gemacht hat war Schröder - nicht mit in den Irak zu ziehen, dafür musste er das kleinere Übel Afghanistan in Kauf nehmen.

Grösste Gefahr geht davon aus, wie weit es der 2. Block schafft europäische Länder mit in sein Boot zu holen. Deutschland hat man bereits nach Afghanistan und in den Sudan gezwungen. Die Zugehörigkeit zum 2. Block ist damit fast besiegelt, wenn es sich führende Politiker in Deutschland nicht bald anders überlegen.

Zum Wohle der Macht und der Entwicklung der EU müsste die EU eine eigene starke Position vertreten, sich aus dem Machtkampf heraushalten und eine eigenständige Strategie entwickeln, sonst läuft sie Gefahr zwischen den grossen beiden Blöcken aufgerieben zu werden. Wichtig wäre es jetzt, wenn zumindest Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland eine Einheit gegen kriegerische Auseinandersetzungen bilden würden und sich schnellstmöglich aus allen Konflikten zurückzieht. Frankreich hat nach dem Machtwechsel von Jacques Chirac zu Nicolas Sarkozy eine hundertachtziggrad Wende vollzogen. Kein Wunder, bei der Herkunft von Sarkozy. War Frankreich vorher noch gegen die Machtgelüste der USA, so zieht Frankreich nun mit den USA, Israel und England an einem Strang. Das was vor einem Jahr noch undenkbar war, hat Sarkozy sofort angekündigt. Ein Atomschlag gegen den Iran muss möglich sein, verkündete er vor Kurzem. Die Situation, auch durch den Beitritt der Polen in die EU, ist nicht leichter, sondern viel, viel schwerer geworden.

Da gibt es aber, wie schon erwähnt, noch ein historisches Problem. Die Schuld gegenüber den Alliierten!?

Wenn man es schaffen würde, die alte “Schuld” von Deutschland, nach über sechzig Jahren, klar und offen in der Öffentlichkeit zu diskutieren und zu relativieren, dann würde Deutschland mehr Freiraum in der Entscheidung bleiben. Nun rächen sich also alte Versäumnisse, das Thema nicht zu artikulieren. Dazu haben viele, wie man jetzt sieht auch aus strategischen Gründen, beigetragen.

Wie wahrscheinlich ist ein dritter Weltkrieg?

Vor dem Hintergrund der oben genannten Lage, ist ein Krieg möglich. Aber die Lage sieht in Wirklichkeit anders aus. Es geht um Geld und Macht, nicht um Religion und Emotion. Der oben genannte 1. Block zieht mehr und mehr Ressourcen an sich. Unter dem Kaspischen Meer liegen die, bisher bekannten, grössten Energievorkommen der Erde. Die Länder die es umschliessen, sind alle gegen die USA, England und Israel, sowie ihre Sympathisanten, eingestellt. Der Iran grenzt an den Indischen Ozean. Öl und Gas wäre mit einer Pipeline bis dorthin, leicht zu transportieren. Von dort aus, kann es, in sehr grossen Mengen, in die ganze Welt verschifft werden. Natürlich würden bei der Belieferung befreundete Länder bevorzugt. Auch China und Indien haben ein grosses Interesse, dass die Verteilung dieser Energievorkommen in den Händen der umliegenden und befreundeten Länder bleibt. Die USA aber würde damit, ihre Weltmachtstellung über die Energiereserven verlieren. Der Westen und alle die sich dazu zählen, müssten als Bittsteller hinten anstehen. Das hat empfindliche Konsequenzen für Wirtschaftsentwicklung, Macht und Wohlstand in den betroffenen Ländern. Auch vor diesem Hintergrund ist der Krieg im Irak zu verstehen.

Die USA versuchen auf allen Gebieten, in denen die Vormachtstellung anderer Blöcke inkl. der EU herrscht, Einfluss zu gewinnen. Und dazu ist ihnen, wie immer, auch der Krieg als einfachstes Mittel recht.

Umgekehrt, sind die Länder des 1. Blocks daran interessiert, ihre Wirtschaftsentwicklung weiter voran zu treiben und auszubauen. Ein Krieg würde ihnen einen herben Rückschlag bescheren.

Die wirtschaftliche Macht des 1. Blocks nimmt täglich zu, und zwar in einer Dimension, die sich nicht einmal Amerikaner hätten vorstellen können. Wer schon einmal in den USA war und erschrocken war über die Grösse des Landes und den Dimensionen, gegenüber den kleinen Ländern in Europa, der stelle sich das Ganze noch einmal um den Faktor Zehn grösser vor. Dann kann er die Dimensionen des neuen Machtblocks im Nahen-Osten und Asien erahnen. Da dass natürlich auch die Unternehmen in den USA erkannt haben, werden sie nun hin und her gerissen. Zwischen dem Wunsch mit diesen Ländern Geschäfte zu machen und die Vormachtstellung in politischer Hinsicht zu behalten ist schwer zu entscheiden.

Die USA haben in den letzten hundert Jahren durch ihre kriegerischen und machtpolitischen Aktivitäten ein Klima gegen sich geschaffen. Für die USA ist es zu spät, die Strategie zu wechseln und auf Kooperation zu setzen. Die USA werden der grosse Verlierer der aktuellen Veränderung auf der Erde sein. Diese definieren sich aber gerade für die nächsten hundert und mehr Jahre. Jedes Land, das sich an die Rockschürze der USA hängt, wird das gleiche Schicksal erleiden. Für Europa ist das entscheidend, weil sich die EU immer noch in der Entwicklungsphase befindet. Es ist ganz dringend notwendig, dass diese Einsicht bei den Politikern in der EU ankommt. Davon hängt der zukünftige Wohlstand und die Stabilität in dieser Region ab.

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1 Kommentar zu “ Russland erwacht aus dem Dornröschenschlaf”

  1. Pligg
    October 20th, 2007 14:44
    1

    Russland erwacht aus dem Dornröschenschlaf…

    Der Standard.at schreibt - Putin kündigt Bau neuer Atomwaffen an. Russlands Präsident rät rohstoffreichen Ländern zur Aufrüstung: “Gott sei Dank ist Russland nicht der Irak” -.
    Putin war im Irak und hat die Anrainerstaaten des Kaspischen Meere…

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