Das Internet wird durch die Jugend bestimmt

Ich möchte nicht provozieren, aber zu einem kritischen Denken anregen. Das ist der Grundsatz aller Artikel die ich hier aber auch sonst schreibe.

Das Internet entwickelt sich seit ca. 1985, da, ab da die ersten öffentlichen Webseiten betrieben wurden, in einem rasenden Tempo. Neue Techniken erlauben zunehmend neue Anwendungen und Möglichkeiten im Internet. Heute ist es ein Kinderspiel eine eigene Webseite zu haben und in den Suchmaschinen gut gefunden zu werden. Oder vielleicht doch nicht? Gilt das nur für junge Leute? Wo ist die Grenze? Bei 25 Jahren oder 30? Wie sieht es dadurch mit der Relevanz der Themen und deren Bewertung aus. Wer bestimmt oder besser wer beeinflusst hier wen?

Ich kenne ältere Männer die ihr Leben lang in der IT als Leiter einer Abteilung aber auch von ganzen IT-Bereichen tätig waren oder noch sind, die aber trotzdem keine Ahnung haben, wie sie sich selber eine Homepage erstellen und online schalten können. Die keinerlei Ahnung haben, wie sie ihre Webseite bekannter machen könnten, das es einen PageRank gibt, das die Verlinkung einer Webseite so viel (für Suchmaschinen) aussagt.

Dagegen weiss heute schon jeder Schüler all diese Zusamenhänge, meist haben sie selber eine Webseite gemacht, hosten sie und verdient sich eventuell ein Taschengeld durch Werbung auf ihrer Seite dazu.

Es ist nur ein ganz kleiner Teil der Bevölkerung und zumeist eine ganz, ganz junge Gruppe die über die Zusammenhänge im Internet Bescheid wissen. Dennoch werden alle Bewertungen für Webseiten und deren Inhalte, auf Basis dieser Gruppe getroffen. Junge Leute, die wissen, dass ihre Webseite besser gefunden wird, wenn bestimmte Keywords darin vorkommen, die wissen das ihre Webseite eine bessere Position in Suchergebnissen bekommt, wenn sie von anderen Seiten verlinkt sind, sorgen auch dafür, dass sie diese nutzen. Damit ihre Seite möglichst viele Besucher hat und sie sich damit rühmen können, dass ihre Seite einen hohen PageRank hat. Meist treibt sie auch das Geld an, das man mit seiner Seite und Partnerprogrammen, machen kann.

Statistisch gesehen, schätze ich, dass die Bewertung der Webseiten, also durch PageRank, Verlinkung, Technorati und wie sie sonst noch heissen, höchstens von einem viertel der Bevölkerung erfolgt. Der Rest muss es so hinnehmen wie es kommt. Wenn eine Webseite die letzte klicki-bunti-show für Teenager anbietet, kann man sicher sein, dass sie in den Suchergebnissen weit nach vorne und oben kommt. Suchergebnisse werden aber von allen Altersgruppen aufgerufen. Somit beeinflusst die junge Generation die alte enorm. Da die Älteren fast gar nicht im Internet aktiv sind, was die Verlinkung ihrer Webseiten angeht, sind deren Anteil an den Suchergebnissen und deren Einfluss gering.

Hier ein Beispiel, www.deutscheblogcharts.de/ - diese Webseite listet Blogs (also Online-Tagebücher) im deutschsprachigem Raum auf die viele Verlinkungen von anderen Seiten (min. 50) bei technorati.com, einem Inhaltsverzeichnis für Blogs, haben und in der deutschen Sprache verfasst sind. Es ist eher anzunehmen, dass viele ältere Internetbenutzer nicht einmal Blogs kennen, geschweige denn wissen, dass sie ihren Blog bei technoratie.com eintragen sollten, wenn sie überhaupt einen Blog selber betreiben. Das reduziert schon mal den Anteil dieser Gruppe auf deutscheblogcharts.de ungemein. Weiterhin ist anzunehmen, dass die Themen von älteren Blogbetreibern eher bei der Masse der Internetbenutzer nicht so ankommt, wie die Themen um die sich die jüngeren Blogbetreiber bemühen. Ergo werden die Blogs älterer Blogbetreiber nicht so häufig verlinkt. Das heisst auch, diese Gruppe hat kaum eine Chance in deutscheblogcharts.de zu landen. Damit ist ‘per se’ bereits gelöst wer in die deutscheblogcharts.de kommt und wer nicht. Fast nur Blogs junger Leute mit Themen in diesem Umfeld.

Die Webseite deutscheblogcharts.de hat nun einen hohen PageRank bei Google und ist bei DMOZ sowie bei Alexa (Webseitenverzeichnisse) gut platziert. Folglich vererbt sich die Bewertung auf die aufgelisteten Blogs und sie werden in den Suchmaschinen noch höher bewertet. Es ist so ähnlich wie in einer kapitalistischen Gesellschaft. Der der schon Geld hat, kann meist noch viel mehr dazu bekommen, weil er schon Geld hat. Nur, das es sich hier im Internet um Positionen und Meinungen handelt. Bei manchem wird es sich auch im Portemonnaie auswirken.

Die Verfahren der Suchmaschinen zur Beurteilung der Qualität von Webseiten und deren Einstufung in den Suchergebnissen, sind zwar in den letzten Jahren enorm weiter entwickelt worden, die soziale Beeinflussung der Bewertungen, einfach durch die Benutzung der bestimmten Altersgruppen, wird aber sicherlich kaum berücksichtigt. Man sollte also im Auge behalten, dass zwar das Internet eine tolle Sache ist und viele Informationen bietet, man sollte aber auch berücksichtigen von wem es gemacht, von wem es beurteilt und in Kategorien eingeteilt wird. Die Ergebnisse von Suchmaschinen haben überhaupt keinen demokratischen Wert, dazu sind die Fehlerquellen einfach noch viel zu hoch. Schön wäre es, wenn sich Suchmaschinen-Betreiber darüber einmal Gedanken machen und ihre Systeme dementsprechend anpassen würden. Nur weil es in diesem Markt kaum Konkurrenz gibt, sollte man sich nicht zurück lehnen. Die Geschichte des Internet hat gezeigt, dass Veränderungen von heute auf morgen passieren können.

PS: www.deutscheblogcharts.de/ finde ich witzig und informativ, ich habe sie hier nur als Beispiel verwendet um die Systematik klar zu machen. Ich hoffe das verstehen die Betreiber der Seite auch so.

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