Der Krieg im Blog oder die Subjektivität im Internet

Seit Jahren schon tobt der Krieg im Internet. Genau wie bei anderen Medien geht es im Internet um die Vorherrschaft über die Meinungserzeugung bzw. Meinungsbeeinflussung. Immerhin ist die Reichweite und das zu beeinflussende Leserpotential sehr gross. Gerade für Themen, die länderübergreifend oder global positioniert sind, ist das Internet ideal. Da bereits ein grosser Teil der Inhalte im Internet subjektiven Charakter haben, ist der Schritt zur Manipulation nicht mehr weit. Die Zielgruppen im Internet bewegen sich in ganz klar abgegrenzten Bereichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Menschen mit Hörproblemen in Foren aufhalten werden, die dieses Thema behandeln, ist sehr hoch. Also kann man dort gezielt Informationen zur Beeinflussung streuen. Zum Beispiel, Werbung für Hörgeräte. Nur, auf diese Idee sind die Marketingabteilungen und Werbeagenturen zu letzt gekommen. Bereits vor Jahren haben Abteilungen von Parteien oder anderen Gruppen die Möglichkeit erkannt, anonym und unter dem Deckmantel eines ganz anderen Teilnehmers Ihre Meinung zu verbreiten.

Die subjektive Basis

Das Internet ist von und für junge Leute gemacht. Das ist, zumindest die Devise der meisten Webseitenmacher sowie Marketingverantwortlichen. Die Inhalte sind deshalb tatsächlich meist von jungen Leuten erzeugt und zusammengestellt. Das trifft auf Quantität und Qualität zu. Es gibt, als Beispiel, grosse “Wiki”* - Seiten im Internet die eine Unzahl an Einträgen enthalten und damit sogar das legendäre Standard-Werk, die gedruckte Enzyklopedia Britannica, in den Schatten stellen. Das damit verbundene Unternehmen wurde schon an den Rand des Bankrott gebracht, weil sie einfach keine gedruckten Bücher mehr verkaufen können.

*) Wiki heisst übrigens auf Hawaiisch “schnell” und bezeichnet eine Internet-Software, mit der man schnell und strukturiert Webseiten erstellen kann. Das Besondere daran ist, dass jeder der auf die Webseite kommt, selber Seiten erstellen und alle anderen Seiten auch ändern kann. Rein theoretisch (Vergleiche: de.wikipedia.org/wiki/Wiki ). Oft entstehen dabei Streitigkeiten zwischen verschiedenen Usern, wegen der Definition des zu schreibenden.

Dadurch, dass das Internet von vielen jungen Menschen benutzt wird (nur 33 % der über 55 jährigen nutzen das Internet, Quelle: destatis.de) und auch von ihnen erstellt wird, ist eine Subjektivität gegeben. Ohne etwas negatives über jüngere Menschen sagen zu wollen, fehlen einfach bestimmte Erfahrungen, Kenntnisse und Betrachtungsweisen.

Auch in dem oben genannten Beispiel ist es so. Schon aus praktischer Sicht. Das Online-Lexikon wurde hauptsächlich, durch die Mitarbeit von Studenten und wissenschaftlichem Personal gefüllt. Warum? Ganz einfach, diese haben und hatten mehr Zeit dazu. Ein Angestellter oder Arbeiter setzt sich ungern am Abend hin und verfasst einen Aufsatz über Mozarts Werke und stellt das, ohne was für sich zu haben, in einem kostenlosen Online-Lexikon zur Verfügung. Obwohl es bei einem Wiki keine Moderatoren, also Aufseher, geben soll, merkte man schnell, dass es ohne Kontrolle nicht geht. Das war für viele Beteiligte eine realitätsnahe Erfahrung!? Also entschied man sich für ein hierarchisches System, an deren Spitzen jeweils wieder Leute standen, die die Zeit hatten, sich um das System zu kümmern. Und natürlich, standen die, die sich besonders viel Zeit dafür nehmen konnten, ganz an der Spitze des Entscheidungsbaumes. Drei mal dürfen Sie nun raten, welche Gruppe das war und ist. Es sind junge Leute, die aufgrund ihrer Arbeitssituation, viel Zeit haben, sich um das System zu kümmern. Das was früher Leute gemacht haben um sich und ihre Familie zu ernähren, wird jetzt von Leuten gemacht, die eigentlich für etwas anderes bezahlt werden. Nämlich, entweder zu studieren oder Studenten etwas beizubringen bzw. dazu beizutragen, damit Studenten etwas lernen. Natürlich gibt es auch viele ehrenamtliche Schreiber, die für das System ihre Freizeit opfern. Jedoch machen diese höchstens ein Drittel aus.

Viele, sogenannte Wiki-Kriege, bei denen User die Seiten immer wieder nach ihrer Meinung ändern, zeigen auch wie wichtig es ist, auf diesen Seiten “richtig” vertreten zu sein. Es wurde bekannt, dass z.B. grosse Software-Firmen, immer wieder Einträge auf den Online-Lexika zu ihren Gunsten ändern und erboste User diese Änderungen rückgängig machen. Es könnte also passieren, dass sie dort an einem Tag etwas anderes lesen als am nächsten Tag. Auch wurde bekannt, dass Geheimdienste z.B. das CIA, auf diesem Lexikon, Einträge zu geschichtlichen Situationen änderten um die Darstellung in der Welt in ihrem Sinne verbreiten konnten.

Sie sehen also, nur ein solcher kleiner Ausschnitt zeigt, wie subjektiv die Informationen sind, die man im Internet findet. Es kann tages- oder stundenabhängig sein ob sie eine richtige oder falsche Information im Internet erhalten. Sie können sich dann auch sicherlich vorstellen, wie subjektiv Informationen von Zeitungen und Magazinen im Internet sind. Dort haben nicht einmal User die Möglichkeit zu widersprechen.

Die Möglichkeit

Der Forenschreiber

Die Medien haben das Internet in Europa zu erst verflucht und bekämpft, aber als sie merkten, dass kein Verlag daran vorbei kommt, haben sie sich mit unglaublichen Summen in den Markt eingekauft. Daraus entstand, unter anderem, die grosse IT-Blase Ende der 90ger Jahre. Aber dann wurde von jeder Zeitung und jedem Magazin eine Webseite mit Forum eingerichtet. Die Webseite sollte anziehen und das Forum sollte die User halten. Da aber schnell bekannt wurde, dass es mehrere und unterschiedliche Foren mit guten Möglichkeiten gab, konkurrierten die Foren massiv untereinander. Was bis heute teilweise anhält. Um die Forenschreiber bei Laune zu halten, musste man sie mit Ködern bei der Stange halten. Zuerst haben also nur die Moderatoren, oft günstig bezahlte Jung-Journalsiten oder IT-afine Menschen, in den Foren zu jedem Thema aufreizende oder anregende Thesen in den Raum gestellt. Damit vorbei schauende User hängen blieben und wegen der Anregung, dazu gebracht wurden, etwas zu schreiben. Viele User fanden sich auf einmal in einer Situation wieder, in der sie persönlich ernst genommen wurden. Auf ihr Schreiben wurde geantwortet, sie glaubten wichtig genommen zu werden. Dazu gehört natürlich, dass der Moderator oder andere User den Gegenpol bilden. In den Foren entstanden Gemeinschaften und obwohl man sich noch nie gesehen hatte, hielt man zusammen, wehrte andere ab, spielte die Kenner-Karte aus und kämpfte um die Machtposition im Forum. Das war und ist auch heute noch bei vielen Foren gut zu erkennen. Es gibt immer ein paar Moderatoren, dann ein paar Leute die sich um sie scharen und genau so wichtig genommen werden wollen und dann gibt es das Fussvolk, die ab und zu mal da sind und hier und dort was schreiben. Die unterste Hierarchie bilden die Neuen. Fremde, neue User mit neuen Benutzernamen etc.

Nun kamen Geheimdienste, politische Parteien oder Gewerkschaften auf die Idee, Gleichgesinnte z.B. Studenten oder Mitstreiter zu finden, die in ihrem Sinne in den Foren agieren sollten. Entweder um das Wissen der Basis aus den anderen heraus zu holen oder die anderen zu beeinflussen. Da das Internet weltumspannend ist, kann ein Teilnehmer auch in einem weit entfernten Land in ein Forum schreiben, das eigentlich seine Positionierung in Berlin hat. Ideal für diese Aufgabe sind Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter. Denn sie haben auch tagsüber Zeit und können somit viel mehr Informationen in Foren einbringen. Damit ist schon eine gewisse Machtstellung verbunden. In vielen Foren wird nicht umsonst neben dem Benutzernahmen die Anzahl der bereits in diesem Forum geschriebenen Beiträge gezeigt. Wenn man einem solchen als Neuling widerspricht, bekommt man die ganze Härte eines Forums zu spüren.

Fortsetzung folgt.

Quellen und Links.

www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID1269922_REF2488,00.htm
www.zm-online.de/m5a.htm?/zm/18_00/pages2/edv1.htm

addthis

Google
 

 

Beitrag kommentieren

Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren. - Anmelden.