Milchmädchenrechnung bei RTL

Gestern sah ich durch Zufall RTL-Aktuell (22.04.2008) um 18:45 Uhr. Mir hat es schier den Atem verschlagen, wegen so viel Volksverdummung. Es wurde dort ein Beitrag über die Lebensmittelpreise in Deutschland und deren Entwicklung gebracht, in dem die Preise in verschiedenen europäischen Städten verglichen wurde.

Der ganze Bericht war so ausgelegt, dass er den Eindruck erwecken sollte, das die Preissteigerungen in Deutschland doch gar nicht so schlimm wären. RTL macht damit seinem Kommerzkonzept alle Ehre. Gegen das Konzept ist ja nichts zu sagen, dass kann sich ja jeder selber aussuchen, aber die Menschen für so blöd zu verkaufen ist dann doch etwas gewagt.

In dem Vergleich wurden Brot, Schweinefleisch, Milch, Butter und Tomaten in Berlin, London, Paris und Venlo (NL) gekauft. In Berlin gab die Reporterin 7,33 Euro, in Paris 13,26 Euro und der Reporter in London 11,20 Euro und in Venlo 8,74 Euro aus. Das Resultat für RTL-Aktuell war, dass die Waren in Berlin sogar am billigsten waren. Grandios, wenn die Welt so einfach wäre würde ich sofort nach Berlin ziehen.

Bei diesem tollen Vergleich wurden mit Absicht alle anderen Faktoren die solche Preise und das Verhältnis zur Einkommenskraft beeinflussen aussen vor gelassen. Berlin mit Paris und London zu vergleichen ist ja per se schon ein Witz, aber auf Kostenseite sowieso. Mieten z.B. sind in Paris und London drei mal so teuer wie in Berlin,  deshalb werden dort auch viel höhere Gehälter gezahlt. Im Vergleich zu den Gehältern in Berlin wären die Lebensmittel also viel billiger, wenn man sie in das Verhältnis zum Einkommen setzt.

Venlo liegt ja mit seinen Preise nahe an dem der Berliner dran, da man dort aber auch wieder höhere Gehälter bezieht, ist der Vergleich auch nicht stimmig. Es wäre im Vergleich auch wieder billiger. Nicht umsonst macht sich das Statistische Bundesamt die Arbeit der Berechnung des “Warenkorbs” und dessen Vergleich nicht einfach.

Ich hoffe die Einkäufer der Werbeagenturen, die Schaltungen bei RTL kaufen, haben die Sendung gesehen und argumentieren bei den nächsten Verhandlungsrunden genau so tumb. In Kasachstan werden bestimmt niedrigere Werbekosten verlangt.

addthis


 

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