Ist Google schuld? Fragt die FAZ. – Offene Kampfansage?
Jan 25th, 2010 | By admin | Category: Allgemein, Kritik, StoryIst Google schuld? Die Macht der Maschinen über unsere Zukunft. So titelt die FAZ einen Artikel über die “angebliche” Allmacht der Firma Google. Das Fazit
von Frank Schirrmacher lautet “Die Informatiker müssen aus den Nischen in die Mitte der Gesellschaft geholt werden. Sie müssen die Scripts erklären, nach denen wir handeln und bewertet werden.”
In dem Artikel kritisiert Frank Schirrmacher zusammengefast, dass Google immer besser wird, immer genauere Daten sammelt und dadurch sein Produkte verbessert. Davon leitet “er” ab, dass damit Google die Zukunft von uns allen bestimmen möchte. Um es mal auf den Punkt zu bringen. Richtig erklären tut er es aber nicht.
Hat der Artikel etwas mit der Fehde zu tun, die vor allem die Deutsche Presse, gegen den Konzern führt? Logisch. In Deutschland muss ein Angestellter seinem Chef nach dem Munde reden, also auch Schirmacher seinem. Ja, er macht das auch in vorauseilendem Gehorsam – sonst wäre er nicht da wo er ist. Und warum macht er das?
Google nutzt seine Position im Internet genau so wie eine Firma Mercedes-Benz in seinem Markt, Unilever in seinem oder das Deutsche Fernsehen in seinem. Google tut das sehr gut und ist deshalb sehr erfolgreich. Auch muss man zur Kenntnis nehmen, dass sich die Welt weiter bewegt und auch die Verlage Veränderungen unterworfen sind. Leider wird der Anzeigenmarkt nicht mehr so sein wie er mal war. Die Ausgaben für Online-Werbung werden in den nächsten Jahren die Werbeausgaben in den Print-Medien weltweit übersteigen. Google ist “das” Unternehmen in diesem Markt, mit allen Tools und Mechanismen. Verlage wie die FAZ haben kaum einen Fuss in diesem Markt – ärgern sich aber darüber, dass sich die Welt weiter dreht und sie bald kaum noch Geld mit Anzeigen verdienen werden. Ihnen stand es ja frei vor Jahren in dem Markt zu investieren. Zu der Zeit wurde das Internet aber von ihnen schlecht geredet, wie hätte man also dort investieren können.
Im Grunde ist der Artikel in der FAZ ein Schuldeingeständnis, zur richtigen Zeit nicht die richtigen Schritte gewählt zu haben und jetzt mit einem Kampf “David gegen Goliat” etwas gewinnen zu wollen, was nicht mehr zu gewinnen ist. Nicht mal in Deutschland.
Das was Schirrmacher versucht zu beschreiben ist, dass Google das Benutzerverhalten im Internet genauestens analysiert und damit eine Wahrscheinlichkeit eines Verhaltens ermittelt. Dieses wahrscheinliche Verhalten kann z.B. sehr effektiv für Werbemassnahmen eingesetzt werden. Das soll heissen, dass die Conversion im Google Werbenetzwerk, durch die genaue Verhaltensanalyse, weit besser ist als bei allen anderen Konkurrenten. Wer also nicht über Google wirbt, schmeisst Geld zum Fenster hinaus. Und genau darum geht es. Conversions von Anzeigen in Print-Medien können nicht wirklich mit Conversions im Internet verglichen werden, denn dazwischen liegen Welten. Im Internet sind sie viel höher. Allen Studien aus der Branche zur Folge, werden Unternehmen in den nächsten Jahren genau das nachvollziehen. Also weg von Print-Medien hin zu Online-Medien. Das trifft die Verlage hart, denn die Werbeeinnahmen aus Print-Medien sind ein grosser Brocken ihrer Einnahmen.
Wenn Verlage das irgendwie kompensieren wollen, dann müssen sie auch Online präsent sein und dort am Werbekuchen teilhaben. Dort kommen sie aber auch an Google nicht vorbei. Denn Google hat das grösste Werbenetzwerk im Internet und baut es kontinuierlich aus. Verlage sind also, auch dort, gezwungen mit Google zu kooperieren. Bei den Suchmaschinen machen sie es ja jetzt schon. Aber man will das Geschäft nicht so ganz kampflos Google überlassen. Also wirft man das in die Waagschale was man hat. Die Meinungsmache. Ein paar hunderttausend Leute wird es schon beeinflussen, wenn man Google – Orwellsche Vorwürfe macht. Und wenn es nur ein paar Richter sind, die dann bei Kartell – oder Wettbewerbsrechten beeinflusst werden sollen.
Das die Datenerfassung im Internet auch ohne Google unendliche Blühten treibt, verschweigt man ganz bewusst. Natürlich erfassen z.B. Verlage auch Daten ihrer Internetnutzer und versuchen sie mit anderen Daten abzugleichen um Benutzerprofile zu erstellen. Den Vorwurf den Schirrmacher also Google macht, sollte er seinem eigenen Verlag als erstes machen.
Der Wunsch, die Informatiker zu bitten doch die Scripte zu erklären und damit Position gegen Google zu beziehen, ist so naive wie weltfremd. Informatiker lecken sich die Finger nach einem Job bei Google. Sich selbst einen möglichen Ast abzusägen, auf dem man sitzen könnte, tun nur wirklich dumme. Und für Angestellte bei Google wäre es der Verrat von Firmengeheimnissen und damit ein Küdigungsgrund.
