Werbeanrufe – billige Marktanalyse

Schon in meinem Studium, Ende 1987, habe ich mal in einer Unternehmensberatung gejobbt. Die Aufgabe war, wichtigen Entscheidern Informationen aus der Nase zu kitzeln, für die man sonst ein Vermögen bezahlen musste. Also erfanden wir eine Legende mit einem passenden Inhalt. Die hiess: “Ich führe gerade eine Marktanalyse für meine Diplomarbeit durch …”. Natürlich passend zu dem gefragten Thema. Ich hätte mich aber auch als Umweltschützer oder Menschenrechts-Schützer ausgeben können, je nach Thema. Es war ja auch immer nahe an der Wahrheit dran.

Ich bekam eine Liste mit Telefonnummern und Namen und setze mich ans Telefon. Einen nach dem anderen rief ich nun die Herren oder Damen an, tat so als ob ich eine Diplomarbeit schreiben würde und ihre Hilfe und “qualifizierte” Meinung dazu hören wollte. Natürlich waren die meisten erfreut über die Anerkennung die ihnen damit entgegen gebracht wurde. Waren sie doch auf einmal wichtig und wussten etwas. Und natürlich wollte jeder beweisen wie viel er von seinem Sachthema verstand. Deshalb wurde geredet bis der Bleistift glühte. Keiner kam auf die Idee zu fragen, woher ich anrief, oder zu fragen ob ich für jemanden arbeiten würde. Ob die Daten auch vertraulich behandelt würden etc. Ganz selten war mal jemand kritisch. Besonders wenn man auf einer Ebene unterhalb des führenden Chefs anrief.

Heute wird diese Methode auf die Spitze getrieben. Marktforschungs-Unternehmen haben erkannt, dass es die billigste Methode ist, per Telefon bestimmte Kreise über ein Thema auszufragen. Die Frechheit schlechthin, sie rufen sogar in Englisch an und fragen dann, ganz spitzbübisch, “Sie können doch Englisch, oder?” In den letzten Wochen wurde ich alleine jede Woche von ein oder zwei solchen Agenturen angerufen. Das sind Umfragen zum Internet, der Geschäftslage oder von Aktienkursen bis hin zu einfachen Produkten.

Wenn man weiss wie viel diese Unternehmen für eine Marktanalyse bekommen, der weiss auch was diese Unternehmen sparen wenn sie bei einem anrufen. Nicht nur das sie meine Zeit stehlen und “teure” Informationen von mir umsonst haben wollen, nein sie belügen einen auch noch oder wollen einem dann auch noch was verkaufen.

Das optimalste Gespräch für eine solche Marktforschungsunternehmung sieht folgendermassen aus.

1. Erst werden alle persönlichen Daten abgefragt “… sie wohnen doch noch in der xyz – Strasse, oder?” oder “… hier steht, sie sind 1965 geboren, … ach das stimmt nicht, es ist 1959, ok danke, aber es war doch der 12 Juni nicht?, ah der 5.Mai ok …” oder “aber das ist doch ihre Privatnummer, die ich jetzt angerufen habe …”

2. Das Umfeld wird ausgespäht. “Sie wohnen doch alleine dort, oder”, “… kann ich Ihre Frau auch befragen …”, “wissen sie noch einen Kollegen, der sich mit dem Thema auskennt …”, “… aber Ihre Kinder werden das doch wissen …”

3. Dann kommt die eigentliche Befragung an die Reihe. Dabei werden aber immer kleine Zwischenfragen gestellt, um noch mehr über das Umfeld, die Firma oder Kollegen zu erfahren.

4. Am Schluss wird meist noch nach anderen Telefonnummern von Kollegen gefragt die auch noch angerufen werden können. Und man versichert sich, noch einmal anrufen zu dürfen, um ein Detail abklären zu können.

Ich, für meinen Teil, habe beschlossen kein einziges Wort mehr heraus zu geben. Sollen sich doch einmal die Firmen daran gewöhnen, wie viel Marktinformation wirklich wert ist. Ich sage denen nicht einmal mehr die Uhrzeit.

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