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	<title>Gordian Hense &#187; westen</title>
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		<title>Wie wir die Welt verändern</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 15:43:57 +0000</pubDate>
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<p style="text-align: justify;"><img class="alignleft size-medium wp-image-676" style="margin-top: 0px; margin-bottom: 0px; margin-left: 5px; margin-right: 5px;" title="benjamin franklin" src="http://www.hense.com/wp-content/uploads/2010/06/benjamin_franklin-300x225.jpg" alt="benjamin franklin" width="300" height="225" />Wir befinden uns in einer Zeit mit enormem Wandel. Nach dem zweiten Weltkrieg befand sich die Welt in einer Art &#8220;Gleichgewicht&#8221;. Osten und Westen war durch politische Systeme gewaltsam getrennt. Der Rest der Welt spielte, ausser zur Ausbeutung, kaum eine Rolle. Auch dort traf Ost auf West. Durch die berühmten &#8220;grünen Wiesen&#8221;, nach dem Krieg, auf denen man beliebig bauen konnte, war dem Wachstum im Westen kaum eine Grenze gesetzt, so das alle Arbeit und Brot hatten, mit ein paar kleinen Ausnahmen versteht sich. Mit dem Fall des eisernen Vorhangs und der &#8220;quasi&#8221; beginnenden Freiheit im Osten, aber auch mit der Entwicklung in dem Rest der Welt hat sich vieles grundlegend geändert.</p>
<p style="text-align: justify;">Wo es früher zwei machtpolitische Zentren gab, die für Regeln auf der Welt zuständig waren, gibt es heute viele. Die Wirtschaft der &#8220;<strong>etablierten</strong>&#8221; Welt, mit um die 1 Milliarde Menschen, bekam und bekommt Konkurrenz vom Rest der Menschheit, von ca. 5 Milliarden Menschen. Gleichzeitig steht es um das demographische Gleichgewicht im Westen so schlecht wie noch nie. Immer mehr Alte sollen von immer weniger Jungen versorgt werden. Und zusätzlich, als wäre das nicht alles noch nicht genug, verroht der Westen in Moral und Können. Jüngste Beispiele aus Finanzen, Politik, Militär und Kirche belegen das uneingeschränkt.</p>
<p style="text-align: justify;">Eine weitere Logik beginnt zu greifen, die wir unterbewusst schon immer kannten &#8211; Rationalisierung bedeutet weniger Arbeit. Wenn es also weniger Arbeit gibt und die wenigen Arbeitenden auch noch für viel mehr andere Menschen arbeiten bzw. verdienen sollen, dann kann das irgendwann nicht mehr funktionieren. Viele sagen, ja mit Wachstum fangen wir das auf. Das ist ein Trugschluss. So viel Wachstum kann es gar nicht geben um dieses Ungleichgewicht aufzufangen.<span id="more-674"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Alle Systeme in unserer westlichen Welt sind aber von dem Kreislauf der Wirtschaft, so wie er fünfzig Jahre funktionierte, abhängig. Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Steuern, Renten, Krankenkasse, Preise, Infrastruktur und viel mehr. Diese Dinge reagieren auf Änderungen stark abhängig. Wenn weniger Arbeitskräfte beschäftig sind, dann wird weniger Steuern gezahlt, wird weniger in die Arbeitslosenkasse gezahlt, weniger in die Rentenkasse oder in die Sozialhilfetöpfe. Aber nicht nur das, es wird auch weniger in der Wirtschaft ausgegeben. Wer nicht zur Arbeit muss, braucht kein S-Bahnticket, grosses Auto oder ähnliches Transportmittel. Er braucht keine Versicherung und bezahlt nicht für Reparaturen. Alle diese Dinge hängen zusammen und liegen zueinander in Abhängigkeit. Dramatische Veränderungen an dem einen Ende verursachen dramatische Auswirkungen am anderen Ende. Oft sogar mit einem Multiplikatoreffekt. Und bisher hat kaum einer daran gedacht daran etwas zu ändern.</p>
<p style="text-align: justify;">Es passieren aus diesen Gründen jetzt schon dramatische Dinge, obwohl die Zeit noch nicht einmal gekommen ist, in der erst richtige Probleme auftreten. Sicher, einiges wird durch gegenläufige, positive Entwicklungen abgefedert, aber nicht alles. Grosse Veränderungen bleiben auf jeden Fall.</p>
<p style="text-align: justify;">Was aber haben wir daraus zu erwarten? Das ist die Frage die wir uns stellen müssen, denn ohne Folgen werden diese Änderungen nicht an uns vorüber ziehen. Nein, es wird für jeden von uns ganz konkrete Auswirkungen haben.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Das Gesundheitssystem</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Das Gesundheitssystem entwickelt immer teurere Behandlungen, Medikamente oder Verhalten, die von einer immer kleiner werdenden Zahl Menschen bezahlt werden muss. Bereits jetzt brechen manche Krankenkassen aufgrund dieser Fehlentwicklung zusammen und machen Bankrot. Wie soll das erst werden wenn die demographische Spitze erreicht wird, so um die Jahre 2040 oder 2050? Wenn über 50 % der Bevölkerung über 60 Jahre alt sein wird. Es wird dann vermutlich an Ausgaben gespart, das bedeutet Entlassungen aus dem Gesundheitswesen, den Versicherungen und angegliederten Institutionen. Medikamente werden nicht mehr zu den heutigen hohen Preisen verkauft werden können, einfach weil die Kassen sie nicht mehr bezahlen können. Die Preise für Medikamente müssen runter. Die Pharmaindustrie wird deshalb Menschen entlassen werden müssen. Viele Patienten werden sich anderen Möglichkeiten zuwenden für Gesundheit zu sorgen. Die Prävention wird ungeahnte Entwicklungen vollziehen. Naturheilmittel oder Nahrungsergänzungen werden boomen. Die vielen Arbeitslosen und Rentner werden die Kassen noch weiter belasten, einmal weil sie in immer grösserer Zahl als Zahler fehlen und weil sie mit versorgt werden müssen. Das System wie es heute existiert wird nicht aufrecht erhalten werden können &#8211; das ist klar. Jedoch tun Politiker heute alles um dieses System zu erhalten. Bis vor ein paar Jahren war es noch möglich ohne Krankenversicherung zu sein (DE/CH), da wurde flux ein Gesetz gemacht und nun müssen alle in den Topf zahlen, der als endloses Loch enden wird. Zölle und Einfuhrbeschränkungen für günstige Medikamente aus dem Ausland wurden verschärft. Niederlassungsbewilligungen für Ärzte wurden reduziert oder nicht erteilt. Auswege daraus gibt es kaum. Die Menschen werden in das alte System gepresst bis es nicht mehr geht. Ein Ausweg kann sein die Beschränkung auf nationale Krankenkassen aufzulösen und diese Beschränkung auf eine grössere Region z.B. die EU auszuweiten. So das jeder in Europa ein Krankenkasse in Europa wählen kann. Gleichzeitig müsste die Zuzahlung zu jeder Behandlung angehoben werden so das notorische Arztgänger nicht mehr auf Kosten Anderer unnötig behandelt werden. Das würde einen enormen Druck auf die Preise für Gesundheitsleistungen erzeugen und der Markt würde die Preise an natürliche Verhältnisse anpassen. Natürlich müssen dazu die Einfuhrbeschränkungen für Medikamente ebenfalls eliminiert werden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Das Arbeitssystem</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wir freuen uns, dass die meisten Unternehmen pro Jahr 10 % Rationalisierung erreichen. Das bedeutet höhere Stückkostendegression, sprich mehr Gewinn für die Unternehmen oder niedrigere Preise für die Kunden &#8211; Sie, wir, die Arbeitnehmer. Das bedeutet auch, das jedes Jahr 10 % weniger Arbeit gebraucht wird, also wir, sie oder Sie. Denn wir, als Gesellschaft bzw. die Anzahl der Kunden und der Bedarf bleibt ja fast gleich oder er geht sogar zurück. Die Bevölkerung wächst ja nicht, sondern sie schrumpft &#8211; hier im Westen. Eine älter werdende Gesellschaft benötigt auch weniger Konsum als eine jüngere. Das liegt in der Natur der Sache. Wie oft kauft man sich ein Sofa in seinem Leben? Wann kauft man sich zum letzten mal ein neues Sofa? Will man mit 70 noch ein iPhone? Die Kundschaft in den &#8220;Emerging Markets&#8221;, also China, Indien, Afrika, Süd-Amerika &#8211; welche noch in einem ausgeglichenen Verhältnis Alt und Jung haben, hat noch nicht das Geld dazu &#8211; uns unsere Produkte im grossen Stil abzukaufen. Bei uns aber &#8211; wer ein iPhone kauft, kauft kein Nokia. Nur weil es neue Produkte gibt, bedeutet das nicht gleichzeitig das mehr verkauft wird. Höchstens mehr von einer Marke, die andere verliert. Logisch? Wir produzieren in der Mehrzahl Produkte die wir an uns selbst verkaufen wollen, aber gleichzeitig reduzieren wir unter uns die Einkommen dazu. Unternehmen stellen gerne junge Leute ein, weil die (angeblich) weniger kosten als ein älterer Mitarbeiter und gleichzeitig noch &#8220;formbar&#8221; sind. Wir drehen uns sozusagen den Hahn selber ab. Wie dumm ist das denn? Und die Selektionskriterien dafür, wer &#8220;ausscheidet&#8221; aus dem System sind vollkommen zufällig. Wen eine Kleinigkeit entwickelt wird, kann das für den Chirurgen wie den Bauarbeiter &#8220;weniger&#8221; Arbeit bedeuten. Mit vorausschauender Bildung können diese Sprünge nicht aufgefangen werden. Arbeitslose sind deshalb in den seltensten Fällen selber schuld an ihrer Situation. Die psychischen Auswirkungen aber bleiben. Krankheiten sind die Folge bis hin zur Belastung des gesamten Umfelds der Person und Gesellschaft. Schon heute ist es so, dass an bestimmten Stellen tausende Fachkräfte fehlen während an anderer Stelle arbeitswillige ohne Arbeit sind. Unternehmen nicht der Staat müssen in Zukunft stärker auf die Ausbildung ihrer Mitarbeiter setzen. Das bedeutet aber andere Bindungsmodelle, weniger Flexibilität und Abhängigkeiten. Die Wirtschaft wird ihr &#8220;Hire and Fire&#8221; &#8211; Modell der letzten Jahre in Zukunft teuer bezahlen müssen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Das politische System</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Lobbyisten sind heute die grössten Einflussnehmer auf die politische Entscheidung. Die meisten Politiker sind, weil sie zu weit weg sind vom eigentlichen Geschehen, immer mehr schlecht qualifiziert um die Entscheidungen zu treffen die für die Gesetze des täglichen Lebens gebraucht werden. Weiterhin hat man das Gefühl das Politiker heute nicht mehr &#8220;vorausschauend&#8221; handeln und regieren, sondern eher nach der Methode &#8220;Waldbrandtreter&#8221; &#8211; man tritt auf jedes kleine Feuer (alias Problem) das man gerade so erreichen kann und versucht es damit zu lösen. Zur Planung und Struktur kommt es gar nicht erst. Regieren kommt nicht von dem Wort &#8220;reagieren&#8221; sondern &#8220;Dieses bedeutete im engeren Sinne so viel wie <em>richten</em> bzw. <em>lenken</em> und im weiteren Sinne <em>führen</em>, <em>leiten&#8221; (siehe Wikipedia)</em>. Ausserdem werden Politiker heute von einer Heerschar an Lobbyisten belagert und bearbeitet. Arte, der TV &#8211; Sender, berichtete kürzlich, dass alleine in Brüssel ca. 3&#8217;000 Agenturen im Auftrag der Pharmaindustrie unterwegs sind um die Gesetzgebung in der EU so zu beeinflussen, dass sie keinen Schaden für die Branche anrichtet. Man kann sich vorstellen, dass es ja noch andere gut zahlende Branchen gibt, die das ebenso machen. Automobilindustrie, Maschinenbau, Bauindustrie, Abfallwirtschaft um nur wenige zu nennen. Das ist bei weitem nicht nur in Europa so. Washington lebt davon, dass sämtliche Industriebereiche ihre Interessenvertreter dorthin schicken um die Gesetzgebung zu beeinflussen. In China und Indien wird es ähnlich sein. Wer kann da noch von &#8220;volksnah&#8221; oder &#8220;demokratisch&#8221; sprechen. Durch diese massive Einflussnahme wird das Wort des &#8220;kleinen Mannes&#8221; oder der &#8220;kleinen Frau&#8221; immer weniger an Gewicht haben und die Entscheidungen fallen gezwungener Massen zu ihren Nachteilen aus. Resultat ist, dass die Schere von Arm und Reich noch schneller weiter auseinander gehen wird. Nur eine gesunde Volkswirtschaft lebt von kaufkräftigen Konsumenten. Das läuft diametral entgegengesetzt &#8211; logisch das da irgendwo ein Endpunkt ist, wo die Belastung zu gross wird. Wenn wir hier z.B. für die Medizin den Rückschluss zu oben gesagtem ziehen, bedeutet das, dass Medizin noch teurer wird und damit Gesundheit zu einem Luxusgut nur für Menschen die es bezahlen können.</p>
<p><strong>Das bedingungslose Grundeinkommen</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Da die Arbeitsplatzgarantie quasi nie mehr gegeben sein wird, da wir ja immer weiter Rationalisieren, muss es erlaubt sein zu fragen &#8220;wovon sollen wir dann alle leben&#8221; wenn wir weiter so rationalisieren? Wir können schlicht keine Kinder auf die Welt bringen und dann sagen &#8220;wie ihr euch ernähren sollt, müsst ihr euch schon selber überlegen&#8221;. Alle Bedingungen und Entwicklungen laufen darauf hinaus, dass Einkommen nicht mehr zwangsweise von Arbeit abhängig sein muss bzw. kann. Wir haben alle gewollt, dass wir immer stärker rationalisieren, damit wir weniger Arbeiten müssen und bessere und billigere Produkte bekommen. Jetzt sind wir so weit. Nun müssen wir aber auch dafür sorgen, dass die Rationalisierung bei allen ankommt. Und das kann in Form eines Grundeinkommens verwirklicht werden. Die &#8220;<a href="http://www.initiative-grundeinkommen.ch/content/home/">Initiative Grundeinkommen</a>&#8221; liefert dazu überzeugende Argumente und einen hervorragenden <a href="http://www.kultkino.ch/kultkino/besonderes/grundeinkommen">Film</a>, der die Logik dahinter erklärt. Das Entscheidende dabei ist, dass das &#8220;bedingungslose Grundeinkommen&#8221; nicht mehr kosten würde, sondern durch eine Umverteilung von Steuern und Abgaben zustande gebracht werden könnte die heute bereits gezahlt werden. Gleichzeitig würde dieses Modell eine Kaufkrafterhöhung für die Wirtschaft bedeuten, die einen enormen Auftragsschub nach sich ziehen würde. Es ist ein guter Weg den Geld-Kreislauf der Volkswirtschaft wieder zu beleben, so wie ein Blutkreislauf bei einem Patienten, der gegen Arterienverkalkung ankämpft. Es wäre eine Anpassung an die aktuelle Lage und keine unüberlegte Neuheit.</p>
<p style="text-align: justify;">All diesen Problemen und Aufgaben müssen wir uns in den nächsten Jahren stellen, ob wir wollen oder nicht. Wenn wir nichts tun, wird der Wandel um so dramatischer sein und nicht mehr von uns bestimmbar. Es wäre also besser, sich rechtzeitig mit vernünftigen Lösungen auseinander zu setzen als zu warten bis etwas geschieht. Die Erfahrung der Neuzeit zeigt, dass die Menschen sich ihren friedlichen Weg dann selber suchen. So wie ein grosser Teil der Befreiung der DDR durch die Initiative des Volkes gelang, werden oben genannte Probleme dann eben auch so gelöst. Ich persönlich glaube, dass die Gesundheitssystem an der ersten Stelle zu diesem Übergang stehen.</p>

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		<title>Der Unfall</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Mar 2007 12:18:21 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[von Gordian Hense (copyright) Er fuhr mit seinem Motorrad auf der Autobahn in Richtung Heimat. Es war ein wunderschöner Tag gewesen. Er war am morgen relative früh gestartet und war in Richtung Jura gefahren. Früh war für ihn, an einem freien Tag, so neun Uhr gewesen. Es war Mai und das Wetter war entsprechend der [...]]]></description>
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<p><em>von Gordian Hense (copyright)</em></p>
<p>Er fuhr mit seinem Motorrad auf der Autobahn in Richtung Heimat. Es war ein wunderschöner Tag gewesen. Er war am morgen relative früh gestartet und war in Richtung Jura gefahren. Früh war für ihn, an einem freien Tag, so neun Uhr gewesen. Es war Mai und das Wetter war entsprechend der Jahreszeit wunderschön, warm und mild, es wehte ein schwacher Wind und überall blühten die Pflanzen. <span id="more-32"></span>Der Himmel war blau und mit kleineren, weißen Wolken besetzt. Alles in allem also ein Bilderbuchtag um in der Natur unterwegs zu sein und die frische Luft zu genießen.</p>
<p>Von Zürich aus war er erst auf der Autobahn Richtung Solothurn gefahren, dann aber Richtung Moutier durch das Balsthal auf der Landstrasse weiter, danach nach Delémont und Porrentruy. Ab dort fuhr er auf vielen kleinen und kurvigen Landstrassen immer weiter Richtung Südwesten, über kleine Dörfer und durch grüne Wälder, an frischen Seen vorbei, durch ein Meer an Wiesen auf denen das Grass ungeschnitten war und der Löwenzahn über die Grasshalme hervorstach. Er glitt durch die Natur wie auf einem fliegenden Teppich, hatte das Gefühl zu fliegen oder zumindest zu gleiten und er war eins mit der Umgebung, den Bäumen und den Tieren.</p>
<p>Er beherrschte sein Motorrad fast perfekt. Seit er zum ersten mal auf einem, man muss schon sagen, motorisiertem Zweirad, saß hat er viele Jahre Erfahrung sammeln können. Damals, mit ca. 14 Jahren, hatte er sich aus verschiedenen Teilen von einem nahe gelegenen Schrottplatz ein Moped zusammen gebaut. Das war zwar, nach langem basteln, fahrtüchtig gewesen, entsprach aber keinesfalls den Vorschriften, war nicht zugelassen oder versichert und er hatte nicht den entsprechenden Führerschein, geschweige denn das erlaubte Alter. Viele technische Details funktionierten nur fragwürdig und es war eher eine Art Roulette damit zu fahren und keinen Unfall zu bauen. Trotzdem schaffte er es damit tagelang über Waldwege und schmale Strassen in abgelegenen Waldstücken umher zu fahren, ohne von der Polizei oder anderen Ordnungshütern erwischt zu werden. Dort lernte er auch die ersten Tricks, rechtzeitig Gefahren auszuweichen, richtig zu reagieren und das Gefühl für die Balance zu entwickeln, welches man braucht um später auf größeren Maschinen eventuellen Risiken richtig zu begegnen.<br />
Natürlich machte er später seinen Führerschein, auch für Motorräder und hatte, wann immer er es sich leisten konnte, neben dem Auto ein Motorrad. Während seiner Berufsausbildung und Armeezeit fuhr er lieber Motorrad anstatt ein Auto. Beides konnte er sich zu der Zeit nicht leisten. Damit war er aber auch immer den Wetterbedingungen ausgesetzt, Kälte, Regen, manchmal sogar Schnee. Meistens aber Sonne und warme Luft.</p>
<p>Nun war er mindesten fünfundzwanzig Jahre älter und hatte die unterschiedlichsten Motorräder gefahren, war mit den wildesten Gruppen umher gezogen, kannte die meisten guten Routen für Motorradfahrer in den Alpen und brauchte an das richtige Verhalten auf und mit dem Motorrad nicht mehr denken – dachte er.</p>
<p>In der Nähe von Pontarlier hatte er eine Mittagspause gemacht und in einem kleinen Bistro ein kleines Mittagessen gegessen. Er liebte die französische Küche und die lockere Art mit der die Franzosen zu leben wussten. Danach fuhr er bei Le Creux wieder über die Grenze in die Schweiz, und dann weiter nach Yverdon – les Bains. Da er heute etwas früher wieder zu Hause sein wollte, hatte er eine kürzere Strecke gewählt und fuhr auf der südlichen Seite des Neuenburgersee entlang, dann am Bieler See bis nach Biel, alles auf der Landstrasse. In Biel fuhr er auf die Autobahn und wollte über Solothurn nach Zürich recht zügig zurück.</p>
<p>Die Autobahn war recht voll und er wunderte sich darüber, denn es war noch früher Nachmittag und alle Ausflügler fuhren meistens später wieder nach Hause. Aber gut, was man nicht ändern kann, kann man nicht ändern. Er fügte sich also in den monotonen Verkehrsfluss ein. Die Autos glitten mit der vorgeschriebenen Geschwindigkeit von 120 Kilometer pro Stunde dahin und er fuhr meist auf der rechten Spur von Autos eingerahmt. Wer Motorrad fährt weiß wie langweilig es einem vorkommt, auf der Autobahn mit gleich bleibender Geschwindigkeit zu fahren. Es wird schnell monoton und langweilig, ist man doch sonst gewöhnt zu bremsen und nach der Kurve wieder Gas zu geben, Schlaglöcher auszuweichen oder auf Spurrillen zu achten oder rutschige Stellen zu meiden. Man muss immer auf der Hut sein und die Gefahr wittern und rechtzeitig darauf reagieren. Nicht so auf der Autobahn, – dachte er. Hier konnte er seinen Gedanken nachgehen, vor sich hin träumen an eine Freundin denken oder wie es in seinem Leben weiter gehen sollte.</p>
<p>Vom weiten sah er schon das Problem. Zähfließender Verkehr. Die Autos stauten sich, fuhren langsamer, rollten nur noch im Schritttempo dahin. Oh Gott und sie waren noch so viele Kilometer von Zürich entfernt. Wie langweilig, erst recht für einen Motorradfahrer. Zu erst dachte er, na ja das wird sich wieder auflösen, also schön ruhig bleiben und mit dem Fluss der Autos dahin gleiten. Der zähe Verkehr aber wurde immer schlimmer, die Autos kamen zum stehen, fuhren wieder an, bremsten wieder, das war nervig. Die Sonne prallte auf seinen Helm und es wurde immer heißer darunter. Nun kamen auch andere Motorräder von hinten, die entweder auf dem Standstreifen oder zwischen den Autos hindurch fuhren. Er wusste, das ist nicht erlaubt und außerdem recht gefährlich. Denn aus der Reihe der Autos konnte immer mal ein Auto nach rechts oder links wechseln, die Tür öffnen oder sonstige Aktionen machen. Die konnten für einen Motorradfahrer schnell zur Falle werden und zu bösen Unfällen führen. Die Autos gleiten zwar nur mit langsamer Fahrt dahin, aber schon diese Geschwindigkeit reicht aus um böse Verletzungen ab zu bekommen. Also fuhr er brav weiter hinter den Autos her.</p>
<p>Der Verkehr wurde immer schlimmer und die Autos standen fast nur noch. Ihm wurde unter seinem Helm und seiner dicken Jacke immer wärmer und es wurde unerträglich. Der warme Wind war trocken und blies ihm Staub unter dem Visier in die Augen. Er wollte wieder zurück auf die einsamen Landstrassen mit dem frischen Wind und den saftigen Weiden. Aber er hing hier fest, hinter stinkenden Autos, die nur Zentimeter vorwärts kamen. Kinder in einem der Vans vor ihm streckten ihm die Zunge raus. Er dachte sich nun, wozu fahre ich eigentlich Motorrad, ich bin schmaler als ein Auto, ich kann doch auch zwischen Ihnen hindurch fahren. Ach egal, Vorschriften hin oder her, die anderen machen es ja auch, also gab er Gas und fuhr zwischen den Autos in der Mitte hindurch.</p>
<p>Es ging ganz prima. Viele der Autofahrer schauten in den Rückspiegel und sahen ihn schon vom weiten. Als Motorradfahrer fährt man ja auch immer mit Licht. Sie fuhren dann entweder nach links oder rechts um ihm etwas auszuweichen. Und um ihm eine Gasse zu bilden, durch die er hindurch fahren konnte. Es gab natürlich auch welche die mit Absicht die Lücke in der Mitte schmaler machten um ihm die Durchfahrt zu erschweren, oder die die vollkommen unaufmerksam waren und ihn gar nicht bemerkten und erst nach ein paar Minuten erschrocken und plötzlich auswichen. Dennoch kam er ganz gut vorwärts und die Autos fuhren nun auch wieder etwas schneller, so dass er seine Geschwindigkeit auch erhöhen konnte. Obwohl es jetzt wieder etwas flüssiger vorwärts ging, wollte er nicht darauf verzichten in der Mitte schneller durch zu fahren.</p>
<p>Da war er nun, der Moment auf den er sein Leben lang – nicht gewartet, aber auf den er immer hingebangt hatte. Mit einem mal. Während er in der Mitte zwischen den Autos durchfuhr wurden diese mal wieder langsamer, er nahm dieses mal kein Gas weg, die Autos bremsten und kamen zum stehen. Er fuhr noch so fünfzig, sechzig Sachen. Rechts stand ein blauer japanischer, Mittelklassewagen. Am Steuer der Vater einer Familie. Er wurde wohl von einer Wespe oder Biene belästigt und fuchtelte mit den Händen umher. Versuchte das Fenster auf zu machen um die Wespe aus dem Fenster zu jagen, was ihm misslang. Also riss er die Tür auf. Er riss die Tür auf !! Um Gottes Willen, er riss fünf Meter vor ihm die Tür auf. Nach links. Und er hatte noch fünfzig, sechzig Sachen drauf. Nach links konnte er nicht ausweichen, da war ein alter, brauner Kombi. Bremsen konnte er zwar, aber, was brachte das. Er trat natürlich instinktiv auf die Bremse, das Hinterrad blockierte und rutschte über den Asphalt. Er nahm noch die Vorderradbremse hinzu, dort konnte er aber nicht so stark zudrücken, sonst hätte das Vorderrad blockiert und er wäre gleich mit dem Motorrad gestürzt, denn es wäre nach links oder rechts weggerutscht. Also versuchte er sich ganz nah an den braunen Kombi nach links zu drücken um an der geöffneten Tür vorbei zu kommen. Er berührte ihn links schon mit seinem Knie und Oberschenkel. Er dachte gerade daran, ob er wohl an der Türklinke oder dem Spiegel des braunen Kombis hängen bleiben würde, als es rechts einen Aufschlag gab. Er war mit dem Knie an der Tür des blauen Japaners hängen geblieben. Das Bein wurde nach hinten gedrückt, er glaubte seine Hüfte zu verlieren, da das Bein so stark nach hinten gedrückt wurde. Jetzt lief alles wie in Zeitlupe ab.</p>
<p>Sein Puls schoss in die Höhe. Kennen Sie das, wenn ihnen schon einmal ein Unfall passiert ist. Sie sehen genau was passiert, glauben es aber in Zeitlupe zu sehen, als wären Sie unbeteiligt, ein Außenstehender. Sie sehen was passiert wie von einer anderen Position. Die Dinge laufen ab wie in einem Film. Es ist nicht wirklich. Sie spüren ja auch keine Schmerzen, zumindest bis der Schock vorbei ist. Wenn man dann noch lebt.</p>
<p>Durch den Aufschlag seines Knies am Rahmen der Tür wurde sein Körper rechts herumgerissen und nach oben geschleudert. Links wurde er gegen den braunen Kombi gedrückt und tatsächlich streifte er dessen Außenspiegel. Zum Glück riss der gleich ab und flog im hohen Bogen durch die Luft. Trotzdem hinterließ er eine böse Wunde am linken Arm. Er konnte sehen wie die Jacke an der Stelle zerfetzt war und gleich eine Wunde klaffte an der der Spiegel ihn berührt hat. Nun blieb sein Motorrad mit der rechten Fußraste an der Tür des blauen Japaners hängen. Der Aufprall verursachte einen Ruck der durch den Wagen und das Motorrad ging und den Wagen nach rechts drückte. Entsetzt sah nun der Familienvater nach links und erkannte erst jetzt was passiert war. Einen Augenblick lang sahen sie sich in die Augen und beide wussten was passierte und wie schlimm es werden könnte. Er dachte noch, wo ist mein rechtes Bein, wenn da schon das Motorrad am Auto hängen bleibt? Dann muss es viel weiter hinten sein. Es hatte ihn ja auch etwas gedreht, so das er sich jetzt sozusagen im Flug über seinem Motorrad mit der rechten Seite nach oben befand. Das Motorrad drehte sich immer stärker nach rechts weil es ja da mit der Fußraste hängen blieb. Dadurch wurde er auch nach rechts gedreht, nun flog er also sich drehend mit der linken Seite und dem Kopf nach vorne. Er sah zurück und sah sein rechtes Bein ungewöhnlich labil an seiner Hüfte hängen und durch die Luft wirbeln. Jetzt merkte er, dass er bereits sein Motorrad verlassen hatte und über es hinweg flog. Es drehte sich unter ihm nach rechts und kippte nach links um. Alles immer noch bei einer Geschwindigkeit von ca. fünfzig Sachen. Er blieb mit dem linken Bein am Lenker hängen. Es machte einen Ruck und einen lauten Knacks. Es war am Oberschenkel vermutlich gebrochen. Dadurch war es labil genug ihm zu folgen. Es wurde einfach durch seine Masse mitgerissen. Nun hatte er das Motorrad verlassen und befand sich im freien Flug nach vorne. Er spürte keinerlei Schmerzen.</p>
<p>Durch den Aufprall mit dem rechten Knie an der Tür des Wagens war er in eine Rechtsdrehung gebracht worden. Nun flog er also sich drehend an den beiden Wagen, dem alten, braunen Kombi und dem blauen Japaner vorbei in Richtung der davor fahrenden oder besser, jetzt stehenden Wagen. Rechts stand ein größerer, schwarzer Geländewagen und links ein <span class="caps">VW </span>Golf. Das Motorrad rutschte hinter ihm auf der linken Seit her und verkeilte sich unter dem Heck des Geländewagens und wurde weiter herumgerissen. Dabei machte es durch das Schleifen auf dem Asphalt unglaubliche kreischende Geräusche. Er war jetzt bereits soweit in der Luft gedreht, dass er fast mit dem Rücken und dem Hinterkopf nach vorne flog. Nach einigen Metern schlug er mit dem Rücken und dem Kopf auf dem Asphalt auf. Zum Glück hatte er ja seinen Helm auf, der ihn vor härteren Verletzungen schützte. Er rutschte weiter. Im Flug hatte er den Geländewagen leicht gestreift und wurde durch den leichten Aufprall nach links geschleudert. Jetzt rutschte er also, immer noch wahrscheinlich mit ca. vierzig Kilometer pro Stunde, auf den <span class="caps">VW </span>Golf zu der links stand. Er spürte wie er mit dem Kopf am Hinterrad des Wagens aufschlug. Durch die Wucht des Aufschlags wurde sein Kopf nach oben gedrückt. Sein Körper drückte nach und er dachte wie lange er die Biegung des Halses wohl noch aushalten könnte. Dann machte es einen Knack und augenblicklich war es still und dunkel um ihn.</p>

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