Orangensaft Illusion – Selbstgepresst vs. Gekauft

OrangensaftIm Denner kostet derzeit (8.3.2013) ein Liter Orangensaft 2,20 CHF aus dem Kühlregal. Er enthält laut Angaben 100 % direkt gepressten Orangensaft aus Brasilien und den USA. Man kann die echten Fruchtanteile sehen. Ein Glas mit 2 dl kostet also 0.44 CHF. Ich fahre ein mal in der Woche zum Denner und hole mir neben anderen Artikel auch eine solche Flasche.

Nun behauptet jemand, a. das man das Gleiche mit frisch gepresstem Orangensaft haben könnte und es b. billiger und c. gesünder wäre.

Machen wir den Vergleich

Aus einer Orange (mittelgross) kann man vielleicht 1 dl oder 1,5 dl Saft pressen. Um also einen Liter Saft zu pressen, brauchen wir 7 Orangen. 7 Orangen wiegen ca. 1,5 Kg. 1 Kg kostet bei Coop zur Zeit 2.10 CHF. Das bedeutet das wir dafür 3.15 CHF bezahlen müssen. Ein Glas mit 2 dl kostet also netto 0.63 CHF. Das sind schon 43 % mehr als für ein Glas aus der Flasche. Für das Pressen, Entsorgen der Schale und Reinigen der Presse braucht man Zeit. Diese kostet auch etwas, zumindest im Vergleich zum Einkauf der Flasche. Die Zeit für das Einkaufen selber, haben wir ja bei der Flasche auch.

Orangen die von Brasilien und den USA hierher transportiert werden, kosten enorme Transportkosten, denn das Wasser in den Orangen und die Schale machen den grössten Teil des Gewichtes aus. Orangen haben dazu ein enormes Volumen was die Transportkosten noch einmal erhöht. Die Öko-Bilanz der Orangen möchte ich nicht sehen. Auch Orangen aus Italien und Spanien haben natürlich hohe Transportkosten.

Bei dem Saft vom Denner wird der Orangensaft vor Ort, also in den USA und Brasilien, industriell gepresst und dann das Wasser entzogen. Schale und Fasern bleiben dort zurück. Es wird nur das Fruchtfleisch und die Mineralien transportiert. Die Transportkosten reduzieren sich vermutlich auf 20 % gegenüber den Orangen. Hier, in der Schweiz, wird das Konzentrat mit Wasser vermischt und in Flaschen abgefüllt. „Orangensaft Illusion – Selbstgepresst vs. Gekauft“ weiterlesen

Kapitalismus in der Reichtumsfalle – Nein, Volkswirtschaft in der Kaufkraftfalle

Die ZEIT veröffentlichte vor einer Weile einen Artikel mit dem Titel „Kapitalismus in der Reichtumsfalle“ von . In diesem Artikel wurde unsere heutige Marktwirtschaft – in der westlichen Welt – beschrieben und der falsche Schluss gezogen, dass diese nur durch Wachstum funktioniere. Uns würde es heute so schlecht gehen, weil a. zu viele Schulden gemacht würden und b. weil man ja einfach nicht noch mehr konsumieren könne – wenn man schon alles habe. Im übrigen wurde dort der Begriff „konsumieren“ mit „kaufen“ gleichgesetzt – was nicht korrekt ist. Konsumieren ist mitnichten einfach nur kaufen, denn es ist auch verbrauchen. Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Weiterhin wurde der Artikel geschlossen, mit der Überlegung doch neue Wirtschafts-Systeme zu suchen – in denen man nicht auf Wachstum angewiesen sei. Denn Wachstum – der mit immer mehr Umsatz von Unternehmen definiert wurde – wäre ja wohl nicht das richtige Ziel. Es wurde auch postuliert, dass es eines der wichtigsten Ziele in unserer Marktwirtschaft sei immer mehr Wachstum zu haben.

Nun meine Überlegungen und Kritik dazu.

Diskussion über Wachstum ist müssig und nicht Ziel führend

Es scheint in Mode gekommen zu sein, laienhaft, wirtschaftliche Zusammenhänge zu Hilfe zu nehmen um eine neue verklärte Weltordnung zu wünschen. Denn nichts anderes ist es, wenn man glaubt es gäbe ein volkswirtschaftliches oder gesellschaftliches System in dem es kein Wachstum gäbe. Wachstum liegt schon in unserer Evolution begründet. Man versucht auch damit die Fehlentwicklung eines Systems mit falschen Ursachen zu erklären. Nicht das Wachstum ist das Problem der westlichen Gesellschaften, sondern die falsch verteilten Geldmengen. Und weiter, nicht die Schulden sind das Problem sondern die falsch vergebenen Kredite.

Ob wir Wachstum in Form von mehr Umsatz haben oder nicht ist vollkommen unbedeutend für unsere freien Volkswirtschaften – viel wichtiger ist der Gewinn und Wohlstand. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Aktionären, die ihr Geld Firmen leihen, die Dividende und der Gewinn des Unternehmens wichtiger ist als der Umsatz. Selbst bei rückläufigem Umsatz kann man mehr Gewinn machen, oder? Zusätzlich wird das Wachstum einer Volkswirtschaft nicht einfach nur auf mehr Grundumsatz definiert sondern auch alle anderen Entwicklungen – Forschungsergebnisse, Produktverbesserungen, Effizientssteigerung und noch viel mehr. Das bedeutet auch mehr Wachstum. Eine neue Behandlungsmethode von Krebs bringt nicht unbedingt mehr Umsatz, aber trotzdem ein wirtschaftliches Wachstum – weil Gelder effizienter eingesetzt werden. Aber, wie gesagt, ist das Thema „Wachstum“ nicht der richtige Ansatz die Probleme oder die Ursachen der Probleme zu beschreiben. Wichtiger sind die Kreisläufe in der Volkswirtschaft. „Kapitalismus in der Reichtumsfalle – Nein, Volkswirtschaft in der Kaufkraftfalle“ weiterlesen

Wie wir die Welt verändern

benjamin franklinWir befinden uns in einer Zeit mit enormem Wandel. Nach dem zweiten Weltkrieg befand sich die Welt in einer Art „Gleichgewicht“. Osten und Westen war durch politische Systeme gewaltsam getrennt. Der Rest der Welt spielte, ausser zur Ausbeutung, kaum eine Rolle. Auch dort traf Ost auf West. Durch die berühmten „grünen Wiesen“, nach dem Krieg, auf denen man beliebig bauen konnte, war dem Wachstum im Westen kaum eine Grenze gesetzt, so das alle Arbeit und Brot hatten, mit ein paar kleinen Ausnahmen versteht sich. Mit dem Fall des eisernen Vorhangs und der „quasi“ beginnenden Freiheit im Osten, aber auch mit der Entwicklung in dem Rest der Welt hat sich vieles grundlegend geändert.

Wo es früher zwei machtpolitische Zentren gab, die für Regeln auf der Welt zuständig waren, gibt es heute viele. Die Wirtschaft der „etablierten“ Welt, mit um die 1 Milliarde Menschen, bekam und bekommt Konkurrenz vom Rest der Menschheit, von ca. 5 Milliarden Menschen. Gleichzeitig steht es um das demographische Gleichgewicht im Westen so schlecht wie noch nie. Immer mehr Alte sollen von immer weniger Jungen versorgt werden. Und zusätzlich, als wäre das nicht alles noch nicht genug, verroht der Westen in Moral und Können. Jüngste Beispiele aus Finanzen, Politik, Militär und Kirche belegen das uneingeschränkt.

Eine weitere Logik beginnt zu greifen, die wir unterbewusst schon immer kannten – Rationalisierung bedeutet weniger Arbeit. Wenn es also weniger Arbeit gibt und die wenigen Arbeitenden auch noch für viel mehr andere Menschen arbeiten bzw. verdienen sollen, dann kann das irgendwann nicht mehr funktionieren. Viele sagen, ja mit Wachstum fangen wir das auf. Das ist ein Trugschluss. So viel Wachstum kann es gar nicht geben um dieses Ungleichgewicht aufzufangen. „Wie wir die Welt verändern“ weiterlesen

Die Wechsel der Wirtschaftsschwankungen wird zunehmen

Kleinvieh macht auch viel Mist, ist eine alte Bauernregel. Auch der Spruch „die Menge der Einzelteile ist grösser als ihre Summe“ deutet darauf hin, was ich hier beschreiben möchte. Früher hat man auch in komplexen Systemen die einzelnen Faktoren statisch, linear und oft unabhängig betrachtet. Das wird auch heute noch in der Wirtschaftsanalyse gemacht. Gerade jetzt bei den Prognosen der Wirtschaftsinstitute für die Aussichten im nächsten Jahr. Einige werfen ja mit Superlativen nur so um sich. Kaum wird aber erklärt, was die Basis der Analysen ist und wie sie berechnet werden. Sind es etwa Modelle aus den sechziger Jahren?

Ein grosses Problem das wir heute haben, ist die fehlende, komplexe Analysemöglichkeit der immer stärker interdependenten Systeme. Was heisst das? In den fünziger Jahren konnte man noch sagen „die Automobilindustrie schafft neue Arbeitsplätze“ oder „das Investmentbanking wird um X % im nächsten Jahr zunehmen“. Das waren Einzelbetrachtungen die z.B. in Wirtschaftsinstituten addiert und daraus Prognosen für die Zukunft erstellt wurden. Sicherlich sind sie um einiges komplexer als ich es hier versuche darzustellen. Ich glaube aber, dass die Interdependenz der heutigen Wirtschaftssysteme eine viel grössere Auswirkung hat und die Effekte die daraus entstehen sich zu anderen Dimensionen addieren bzw. multiplizieren. Zusätzlich führen diese Effekte zu vermehrten Wechselwirkungen die Schwankungen der Wirtschaftsabläufe beschleunigen. Wenn man die Entwicklung der Wirtschaft in Europa und den USA in den letzten fünfzig Jahren betrachtet, so wurden die Schwankungen in zeitlicher Folge immer häufiger und der Ausschlag der Schwankung immer stärker. Sowohl in die positive wie in die negative Richtung. „Die Wechsel der Wirtschaftsschwankungen wird zunehmen“ weiterlesen